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Die Kronenwächter -

erster deutschprachiger historischer Roman

Mit seinem Roman "Die Kronenwächter" setzte Achim-von-Arnim der Stadt Waiblingen ein literarisches Denkmal. Der Roman erschien im Jahre 1817 zu Beginn einer neuen Welle der Staufer-Verehrung im Zeitalter der Romantik und gilt heute als erster deutschsprachiger historischer Roman. Seither kann sich Waiblingen nicht nur als Staufer-Stadt sondern auch als Romantik-Stadt empfinden – eine Einzigartigkeit weniger aufgrund konkreter historischer Spuren, sondern wegen der Präsenz der Stadt in der Literatur und der imaginären Topographie des 19. Jahrhunderts.
Von Arnim war freilich nicht in Waiblingen, als er seinen Roman um den Helden Berthold verfasste, Berthold, der um 1500 in Waiblingen auf die Ruinen des Barbarossa-Palastes stieß, vorangetrieben von den „Kronenwächtern“, einem Geheimbund, der zu neuer Macht gelangen wollte. Berthold baute auf den Ruinen eine Tuchfabrik, wurde reich und am Ende Bürgermeister von Waiblingen. Von Arnim hatte all das auf der Grundlage von Chroniken und Stadtansichten verfasst. Als er schließlich 1820, drei Jahre nach dem Erscheinen seines Romans, einmal doch „mit klopfendem Herzen“ vor den Toren der Stadt stand, den echten „Wachtturm“ erblickte, „da ließ ich weiterfahren“, denn „es sah mir ganz anders aus, als ich es mir gedacht habe.“

Ursprünglich waren die „Kronenwächter“ als vierbändiger großer Roman angelegt – es blieb jedoch bei dem einen Band. Das Buch entstand in der Zeit „nach Napoleon“, als man sich wieder auf die deutsche Geschichte besann, als nationale Werte an Bedeutung gewannen. Man erinnerte sich des deutschen Mittelalters und an das Reich der Staufer. Unter den Romantikern hatte von Arnim seine Freunde, zum Beispiel die Brüder Grimm oder Clemens Brentano. „Im Kreis der Berliner Romantiker gehörte er zu den Männern, die die geistige Erneuerung Preußens nach der Niederlage von Jena und Auerstädt vorbereiteten“, hatte der Waiblinger Professor Otto Heuschele einmal festgehalten.
 

 

BARBAROSSA
Friedrich Rückert

Der alte Barbarossa,
Der Kaiser Friederich,
Im unterird’schen Schlosse
Hält er verzaubert sich.

Er ist niemals gestorben,
Er lebt darin noch jetzt;
Er hat im Schloß verborgen
Zum Schlaf sich hingesetzt.

Er hat hinabgenommen
Des Reiches Herrlichkeit,
Und wird einst wiederkommen,
Mit ihr, zu seiner Zeit.

Der Stuhl ist elfenbeinern,
Darauf der Kaiser sitzt:
Der Tisch ist marmelsteinern,
Worauf sein Haupt er stützt.

Sein Bart ist nicht von Flachse,
Er ist von Feuersglut,
Ist durch den Tisch gewachsen,
Worauf sein Kinn ausruht.

Er nickt als wie im Traume,
Sein Aug’ halb offen zwinkt;
Und je nach langem Raume
Er einem Knaben winkt.

Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloß, o Zwerg,
Und sieh, ob noch die Raben
Herfliegen um den Berg.

Und wenn die alten Raben
Noch fliegen immerdar,
So muß auch ich noch schlafen
Verzaubert hundert Jahr.

Hintergrund und Entstehung der Barbarossasagen